Dieter Läpple – ihm verdanken wir den Seeräuber

Dieter Läpple – ihm verdanken wir den Seeräuber

trotzig – furchtlos – unbeugsam und freiheitsliebend …

… so steht der Seeräuber mit seinem Fischernetz und Paddel als Bronzeskulptur vor dem Bürgerhaus. Dass die Böckinger Symbolfigur, die ja auch Namensgeber dieses Magazins ist, von dem Heilbronner Bildhauer Dieter Läpple so treffend zum Leben erweckt wurde, ist hinlänglich bekannt.

Aber was wissen wir über diesen Dieter Läpple als Künstler und Mensch?

Geboren wurde er 1938 im Schulhaus von Unterheimbach, einem Bauerndorf am nördlichen Fuße des Mainhardter Waldes. Zusammen mit Schwester und Bruder verlebte er – wie er immer wieder sagte – eine herrliche Jugendzeit auf dem Land. Die Familie wohnte im ersten Stock des dortigen Schulhauses. Im Erdgeschoss unterrichtete der Vater die Dorfjugend. Die Mutter war ebenfalls im Schuldienst. Sie war Organistin in der Kirche auf der Burg Maienfels. Nach 4 Jahren Grundschule fuhr er täglich mit dem Bus nach Öhringen um dort das Gymnasium zu besuchen.

Der Vater hatte das im Krieg zerstörte Elternhaus in Heilbronn in der Jägerhausstraße wieder aufgebaut und die Familie zog dort ein. Nach dem Abitur am Robert Mayer Gymnasium bestand Läpple 1958 die Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, wo er bis 1963 Bildhauerei und Kunstgeschichte studierte. Sein Lehrer war Professor Rudolf Dautert, der einen klassisch-figürlichen Kunststil vertrat. Diese Kunstauffassung hat Läpple geprägt – sie hat ihn Zeit seines Lebens nie verlassen. Die sogenannte „Moderne Kunst“ mit ihrer modernen und oft abstrakten Gestaltungsweise hat ihn nicht angesprochen. Es folgte 1960 eine Steinmetzausbildung in Heilbronn. Von 1963 bis 1965 war Läpple wissenschaftlicher Assistent an der Architekturabteilung der Technischen Hochschule in Braunschweig bei Professor Weber. In dieser Zeit entstand auch das von vielen Heilbronnern zuerst kritisch aufgenommene „Käthchen“. Seine eigenwillige

und so gar nicht der Klischee-Käthchen entsprechende Darstellung sorgte anfangs für großen Diskussionsstoff. Die Entrüstungsstürme der 60er Jahre haben sich mittlerweile gelegt.

Das „Läpple-Käthchen“

Inzwischen ist das „Läpple-Käthchen“ unbestritten zur liebgewonnenen Symbolfigur und zum Heilbronner Markenzeichen geworden.

Bis 1970 lebte Dieter Läpple als freischaffender Künstler in Hannover. Im gleichen Jahr vermählte er sich mit Theresia Rutkowski und kehrte nach Heilbronn zurück, wo er sich als Künstler voll entfaltete. 1972 wurde der Sohn Marius und 1975 die Tochter Eva geboren. Ab 1971 war er noch zusätzlich im Schuldienst im Theodor -Heuss-Gymnasium als Kunsterzieher. 1979 zog er in das von ihm entworfene Wohnhaus mit Atelier in der Jägerhausstraße, das heute von der Tochter Eva mit ihrer Familie bewohnt wird.

1974 erhielt Dieter Läpple von Erwin Fuchs, dem Böckinger Kulturbürgermeister im Heilbronner Rathaus den Auftrag für eine Brunnenfigur, die vor dem Bürgerhaus in Böckingen stehen sollte. Vor seinem geistigen Auge entstand der „Seeräuber“ wie wir ihn heute kennen. Wer genau hinschaut, erkennt in ihm die Gesichtszüge von Erwin Fuchs. Im Gegensatz zum Käthchen fand der Seeräuber als Integrationsfigur bei den Böckingern ungeteilte Akzeptanz

Der Neckargartacher „Linsenfahmer“ und der Radleuchter in der Nikolaikirche sind weitere Werke von Dieter Läpple in Heilbronn.

Im Laufe der Zeit erhielt er zahlreiche Aufträge, darunter über 20 Großplastiken im öffentlichen Raum. Darüber hinaus nahm er an bundesweiten Ausschreibungen und Wettbewerben teil – wie zum Beispiel in Hameln mit seinem genialen Rattenfänger, dessen Bozzetto in manchem Heilbronner Wohnhaus zu finden ist.

Alle seine Bronzeplastiken entstanden in einer von ihm verfeinerten und weiter entwickelten, technisch sehr anspruchsvollen Arbeitsweise, dem sogenannten Wachsausschmelzungsverfahren, wie es bereits seit der Antike von Künstlern beherrscht wurde.

Dieter Läpple war ein liebenswerter Mensch mit Ecken und Kanten. Er vertrat seine Auffassung von Kunst vehement und streitbar. Als Familienmensch lebte er bescheiden und bodenständig. Der Tod seiner Frau und Muse Theresia stürzte ihn in eine tiefe Lebens- und Schaffenskrise, von der er sich aber mit Hilfe seiner Tochter Eva und ihrer Familie langsam wieder erholte.

Anlässlich seines 80. Geburtstages im November 2018 fand in den Heilbronner Museen eine beeindruckende Gedenkveranstaltung und Ausstellung seiner Werke statt. Die Würdigung seines Werkes und seiner Person als einem der bedeutendsten zeitgenössischen Heilbronner Künstler, der weit über die Landesgrenzen hinaus bleibende Spuren hinterlassen hat, war ihm durchaus angemessen. Nach dieser Ausstellung folgten sogar neue Aufträge, zu deren Ausführung allerdings nicht mehr kam. Denn schon vier Monate später verstarb er an den Folgen eines Herzinfarktes.

Woran wir uns erinnern, wenn wir an Dieter Läpple denken und was ihn als Künstler besonders auszeichnete, war seine symbolträchtige Fantasie und die Liebe für das Gute und Schöne, was in seinen Figuren in vielfacher Weise weiter lebt.

Mit großem dank an Herrn Peter Lipp, der diesen Artikel geschrieben hat.

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