Räubi und die Nutria

Es war ein sonniger und warmer Frühlingstag in Böckingen. Die Blumen blühten, die Vögel zwitscherten und es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen.

Räubi und die Nutria

Räubi, Böcki und Ivi hatten in der letzten Geschichte ein echtes Seeräuber-Floß im Schilf entdeckt. Es war ein bisschen in die Jahre gekommen und musste daher noch repariert werden, damit es wieder ‚in See stechen‘ konnte.

Während Räubi und Ivi am See waren und fleißig am Floß werkelten und gleichzeitig sowohl mit Hammer und Nagel als auch mit Pinsel und Farbe hantierten, versuchte Böcki auf der Rasen­fläche neben dem See das neue gelbe Segel auszubreiten. Sie hatten es in der Stadt bei einem Schneider gekauft. Räubi, Ivi und Böcki hatten sich überlegt das Wappen, oder anders gesagt, das Zeichen der Stadt Böckingen auf das Segel zu malen.

Auf dem Wappen von Böckingen war nämlich ein schwarzer großer Steinbock zu sehen, der sich gefährlich aufbäumte. Dieser hatte lange, starke, schwarze Hörner und schaute ganz mutig und entschlossen.Böcki hatte mal erzählt, dass der Steinbock wohl sein Ururururgoßvater sei und adelig gewesen war.

In jedem Fall fanden alle drei, dass dieses Bild ein tolles Motiv für das Segel des Seeräuber-Floß sei, denn so wussten alle sofort, dass sie die Seeräuber aus Böckingen waren. Damit hatte Böcki die herausfordernde Aufgabe bekommen, seinen Ururururgoßvater auf das Segel zu malen.

Während alle ganz vertieft in ihre Aufgaben waren und nur Augen für das Floß und sein neues Segel hatten, hörten sie plötzlich ein lautes

Platsch!! Platsch!!

Räubi, Ivi und Böcki schauten erschrocken hoch, konnten aber nicht erkennen, woher dieses Geräusch kam.

Achselzuckend schauten sie sich an und arbeiteten dann weiter.

„Plaaatsch… Plaaaaaaaaatsch… Platsch!“ Teufelsrochen noch eins!

„Teufelsrochen noch eins! Das waren ja ein paar fette Wasserplatscher – was war denn das?“, rief Räubi verwundert und ein bisschen verärgert zugleich.

„Ich hab es auch gehört! Es war ziemlich laut, aber entdecken kann ich auch nichts – komisch!“, antwortete Ivi zu Räubi, der noch suchend über den See schaute.Im gleichen Moment kam Böcki mit dem fertigen Segel angetrabt.„Wow, Böcki, das sieht ja toll aus!“, freute sich Ivi.

„Da hast du deinen adeligen Ururururgoßvater aber gut getroffen.“, lobte Räubi seinen Böcki. Ein bisschen rot um die Schnute antwortete Böcki verlegen: „Danke sehr!“

Am nächsten Tag war es dann endlich soweit: Die erste große Fahrt, mit dem so gut wie neuen Seeräuber-Floß und dem tollen Böckinger-Segel.

Ivi, Böcki und Räubi ließen das Floß zu Wasser, spannten das große Segel und schon konnte die erste Fahrt auf dem See im Ziegelpark von Böckingen beginnen.

Als sie schließlich zur Mitte des schönen Sees gesegelt waren, schlug Räubi vor: „Der Wind lässt nach. Nun können wir uns erstmal ein bisschen treiben und die Seele baumeln lassen.“„Hervorragende Idee, Räubi!“, einigten sich Ivi und Böcki.Da lagen sie nun also auf ihrem Seeräuber-­Floß und ließen sich von der Frühlingssonne wärmen.

Plötzlich brachte Etwas das Floß zum Schaukeln. Als Räubi über den Rand des Floßes schaute, blickte er in zwei große, braune Augen. Eine kleine, dunkle, mit langen Schnurhaaren besetzte Nase schaute aus dem Wasser heraus und zwei lange, gelb-organene Hasenzähne schimmerten an der Wasseroberfläche.

„Hey, wer bist du denn?“, fragte Räubi neugierig.

„Huch, na nu! Wo kommt ihr denn plötzlich her?!“ fragte das kleine Tier im Wasser, das ein bisschen wie eine Mischung aus einem Biber, einem Meerschweinchen und einer Ratte aussah.

„Wisst ihr ich kann nicht so gut sehen…“, gestand es lachend, „ich bin eine Nutria!“

„Eine Nutria?“, fragte Räubi.

„Ja, eine Nutria. Mein Name kommt aus dem Spanischen und heißt soviel wie Fischotter. Aber das ist eigentlich nicht ganz richtig“, erklärt das freundliche Tierchen, während es sich schwimmend und mümmelnd um das Floß herum bewegte.

„Ich bin so eine Art Biberratte, sag ich immer!“, fügte es lachend hinzu.„Wow, so jemanden wie dich, haben wir bisher noch nicht kennengelernt. Bist du neu hier?“

„Ja, ich und meine Familie haben uns hier an diesem schönen See angesiedelt. Dahinten ist unser Bau, wir haben uns hier eine nette Höhle zwischen dem Schilf gegraben. Hier ist endlich genügend Platz für mich und meine große Familie. Es ist sehr schön hier in Böckingen und wir lieben das klare Wasser in diesem See. Vielleicht könnt ihr sie dahinten…“, im selben Moment ertönte wieder ein lautes: „Plaaatsch …. Plaaaaaaaaatsch ….. Platsch!“

„…hören!“, lachte die Nutria.

„Achso! Ihr seid das also gewesen!“, antworte Räubi mit einem Lachen zurück, „wir haben uns schon gewundert, wer oder was das ist…“

„Hehe, ja, wir sind eben echte Wasserratten! Wir lieben es zu schwimmen, zu tauchen und zu planschen“, grinste das Tier mit den organefarbenen, langen Zähnen, „entschuldigt mich, ich muss los! Wir sehen uns sicher!“, rief es den dreien zu und tauchte ab.„Was war denn das?“, fragten Ivi und Böcki lachend.

„Ein waschechte Wasserratte eben!“, lachte Räubi.

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