Der Böckinger Seehein

Vor einigen Wochen hatten Ivi, Räubi und Böcki eine atemberaubende Entdeckung in Böckingen gemacht.

Der Böckinger Seehein

Denn in der letzten Geschichte hatten die drei in einer Vollmondnacht miterleben dürfen, wie sich um Punkt zwölf Uhr Mitternacht, der Seeräuber vom Brunnen aus seiner Starre gelöst hatte und lebendig geworden war.

Als dieser schließlich quicklebendig von seinem Sockel gehüpft war, hatte Räubi ihn freundlich, aber vorsichtig angesprochen, um mehr über hin herauszufinden.

Leider schien der kleine Seeräuber sehr in Eile zu sein, aber er versprach ihnen, dass sie sich beim nächsten Vollmond wiedersehen würden, wenn Ivi, Räubi und Böcki nur ganz fest daran glauben würden.

Wie Ivi in der letzten Geschichte erklärt hatte, ist nur ungefähr einmal im Monat Vollmond und daher hieß es nach der ersten, aufregenden Begegnung mit dem lebendig gewordenen Seeräuber nun erst einmal: warten.

Die Tage kamen und gingen und jede Nacht wuchs die Mondsichel am Himmel ein bisschen weiter zu einem Kreis heran. Nachdem schließlich einige Wochen ins Land gezogen waren und es Ivi, Böcki und Räubi fast schon wie eine kleine Ewigkeit vorkam, war es dann endlich soweit!

Als der helle, runde Mond endlich in voller Pracht am Sternenhimmel zu sehen war, trafen sich Räubi, Ivi und Böcki schließlich am Seeräuberbrunnen.

Als die Kirchturmuhr der Stadtkirche zwölf Uhr schlug, konnten die drei zum zweiten Mal mit ihren eigenen Augen sehen, wie der Seeräuber vom Brunnen in wenigen Augenblicken lebendig wurde und munter vom Sockel hüpfte. Er schaute sich aufgeregt um, als Räubi und seine zwei Freunde auf ihn zu kamen.

„Hallo Böckinger Seeräuber! Erinnerst du dich noch an uns?“, fragte Räubi.

Der Seeräuber schaute die drei aufgeweckt und neugierig an: „Hallo ihr drei, aber sicher doch! Wie schön euch hier wiederzusehen!“, antwortete er mit einem breiten Grinsen.

„Böckinger Seeräuber, wir haben so viele Fragen an dich... Wer du bist und was du bisher erlebt hast; wir würden so gerne deine Geschichte hören und mehr von dir erfahren!“, erklärte Ivi dem Seeräuber.

Dieser schaute Ivi abenteuerlustig an und sagt dann schließlich: „Wenn ihr wissen wollt, wer ich bin und meine Geschichte erfahren wollt, kommt mit mir auf die Reise und ich werde es euch zeigen.“

„Wie soll das gehen?“, fragte Böcki.

„Naja, manchmal passieren einfach Dinge, die über den Verstand hinaus gehen. Habt keine Angst, ich bringe euch heil wieder zurück...“, antwortete der Seeräuber.

„Wieso, denn wieder zurückbringen?!“, wollte Ivi noch wissen, da war es schon passiert: Der Seeräuber hatte vor ihren Augen einen in verschiedenen Blautönen funkelnden Strudel in der Luft entstehen lassen, der immer größer wurde und sich wie eine Spirale drehte.

„Haltet euch gut aneinander fest und folgt mir!“, zwinkerte er ihnen zu. Er griff Räubis Hand und sprang in den blau funkelnden Strudel hinein. In letzter Sekunde griff Räubi nach Ivis Hand und Ivi nach Böckis langem Fell und alle wurden vom magischen Strudel verschluckt.

Wie in einem Traum, bei dem du vielleicht auch oftmals nicht mehr weißt, wie und wann du eigentlich in ihn hinein gestolpert bist, erging es nun auch Ivi, Räubi und Böcki.

Plötzlich fanden die drei sich mitten am Tag in einer Stadt wieder, die ein bisschen wie Böckingen aussah, aber wie zu einer anderen Zeit.

Leicht geblendet vom Licht, rieben sie sich alle die Augen und als sie wieder klarer sehen konnten, fiel ihr Blick auf den Seeräuber vom Brunnen, der neben ihn stand und sie angrinste.

„Na, Reise gut überstanden?“, fragte er.

„Ich denke schon...“, murmelte Räubi ein bisschen verlegen.

„Wo sind wir hier?“, fragte Ivi neugierig.

„Erkennt ihr es nicht? Das ist immer noch Böckingen, aber viele, viele Jahre vor eurer Zeit...“, erklärte der Seeräuber.

„Teufelsrochen noch eins! Wir sind in der Zeit gereist?“, fragte Räubi ungläubig.

„Goldrichtig!“, antworte der Seeräuber zurück und fügt hinzu: „Da ihr mehr über mich wissen wolltet, dachte ich, ich zeige es euch einfach direkt!“

„Da bleibt mir glatt die Spucke weg...“, staunte auch Böcki.

„Schaut mal darüber, seht ihr den Mann am See dort?“, fragte der Seeräuber.

Die drei nickten.

„Das da bin ich. Eigentlich bin ich nämlich gar kein Seeräuber oder ähnliches, sondern der Seehein. Deswegen habe ich ja auch das Netz umgebunden. Ich war damals Fischer hier am Böckinger See. Erkennt ihr es wieder? Jetzt gibt es diesen See ja nicht mehr...“, lächelte er die drei ein bisschen traurig an.

„Aber, ja! Natürlich! Das ist der Böckinger See!“, freute sich Ivi und fragt dann: „Wie heißt du eigentlich?“

„Ich heiße Heinrich, aber ich dürft mich Hein oder Heini nennen...“, antwortete der Seeräuber und erklärt dann: „Wisst ihr, es gibt noch so viel mehr zu erzählen und zu zeigen, aber ich fürchte meine Zeit wird knapp. Ich muss euch zurückbringen...“

„Schooon?“, fragte Ivi enttäuscht.

„Ja, leider! Aber wir werden uns wiedersehen. Ihr wisst nun ja, was dafür nötig ist“, zwinkerte der Seehein ihnen zu. Im selben Atemzug malte er wieder den blau funklenden Strudel in die Luft.

Der Seehein Ivi, Räubi und Böcki gaben sich einander Hand oder Klaue und ab ging die wilde Seeräuberreise zurück in die Gegenwart; zurück in das Böckingen, das ihr heute alle kennt und über das ihr nun wisst, dass es einen bekannten Seehein gab, den ihr noch heute auf dem Sockel des Brunnen betrachten könnt.

Aber Seeräuber-Ehrenwort:

Das wird nicht das letzte Abenteuer gewesen sein und vielleicht gibt es ja noch weitere spannende Geschichten rund um den Seehein.

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